Experten und Praktiker diskutieren Arbeitswelt der Zukunft in der Logistik

08
Nov
2017

Am 8. November fand die Veranstaltung „Arbeitswelt der Zukunft: Die Rolle des Menschen in visionären Logistikkonzepten“ auf Einladung des Instituts für Arbeitsforschung und Arbeitspolitik an der Johannes Kepler Universität Linz und des Vereins Netzwerk Logistik statt. Passend zum Thema diskutierten dazu Expertinnen und Experten am Blue Danube Airport die Gestaltung neuer Arbeitswelten im logistischen Bereich.

Nach der Begrüßung durch IAA-Geschäftsführer Mag.(FH) Clemens Zierler führten am Vormittag Vorträge in das Thema ein. Aufbauend auf einen Aufriss der Bedeutung der Logistik für den Standort Oberösterreich durch LH-Stv. Dr. Michael Strugl und auf die Keynote des international anerkannten Arbeitsforschers Prof. Dr. Hartmut Hirsch-Kreinsen (TU Dortmund), gab unter anderem Prof. DI Franz Staberhofer (Logistikum Steyr) Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte in Oberösterreich und Ben Kraaijenhagen (MAN Truck & Bus AG) skizzierte Planungen zu neuen technologischen Anwendungen auf Seiten der Praxis. Den Abschluss bildete Mag.a Sylvia Leodolter (Arbeiterkammer Wien) mit einer Perspektive der Arbeitnehmervertretung auf das Thema.

Am Nachmittag wurde in Workshops mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern über mögliche Veränderungen und politische Herangehensweisen intensiv diskutiert. Die Arbeitswelt in der Logistik steht auf Basis neuer Technologien, wie zum Beispiel autonomer Fahrzeuge, virtueller Realitäten und künstlicher Intelligenzen tendenziell vor großen Umwälzungen. Die Politik wird auf diese Veränderungen reagieren müssen.

Die Ergebnisse der Veranstaltung sollen in gemeinsame Forschungsaktivitäten des IAA mit der TU Dortmund sowie dem Logistikum Steyr Einfluss finden. Ziel dieser Aktivitäten ist die Etablierung eines Kompetenznetzwerks für Arbeitsforschung in der Logistik.

Zukunftsfähige Logistik für einen erfolgreichen Standort OÖ

Oberösterreich liegt im Zentrum des österreichischen und europäischen Güterverkehrs. Allein in der Sparte Transport und Verkehr waren 2016 in OÖ 31.583 Personen beschäftigt. Das entspricht 5% aller unselbstständig Erwerbstätigen. Mit einer zeitgemäßen Interpretation der Logistik als multiperspektivische, interdisziplinäre Disziplin (inkl. Einkauf, Planung, Distribution, SCM und Logistik-IT und Technologie-Anbieter) erhöht sich die Beschäftigtenzahl ca. um den Faktor Drei.

Als Industriestandort wird 40% der Wertschöpfung in OÖ in der Industrie sowie im produzierenden Gewerbe und Bauwesen erwirtschaftet. Dabei nimmt das Thema der internen Logistik im Management der Betriebe eine zentrale Rolle in der Gestaltung künftiger Arbeitswelten ein.

Aktuell stehen wir vor einer Reihe technologischer Veränderungen, mit dem Potenzial, die Arbeitswelt grundlegend zu verändern. Ziel der Landespolitik ist es, die Chancen und Potenziale der Digitalisierung für die Betriebe in der Region nutzbar zu machen. Manche Technologien sind bereits in der betrieblichen Praxis angekommen (z.B. RFID, Augmented- und Virtual Reality), manche stehen an der Türschwelle zur Marktreife (z.B. autonomes Fahren und  3D-Druck), andere Technologien scheinen noch weiter entfernt (z.B. künstliche Intelligenz).

Mit dem Logistikum Steyr der FH Oberösterreich hat Oberösterreich einen Leuchtturm für Logistik in Forschung und Lehre in Österreich etabliert. Parallel arbeiten zahlreiche Leitbetriebe intensiv an zukünftigen Lösungen im Bereich der e-Mobilität und anderen zukunftsorientierten Themen der Logistik. Daneben hat sich der Verein Netzwerk Logistik die österreichweite Vernetzung von Unternehmen mit Logistikbezug zum Ziel gesetzt.

Die Digitalisierung steht als Entwicklung jedoch nicht alleine da. Andere große Trends, wie die Globalisierung, welche Garant für den wirtschaftlichen Erfolg Oberösterreichs, mit über 70% Exportanteil ist, die sicher verändernde demographische Struktur der erwerbsfähigen Bevölkerung sowie neu Werthaltungen über Generationen hinweg beeinflussen unsere Arbeitswelt nachhaltig.

Dem Arbeitsplatz Oberösterreich stellen sich demnach folgende zentrale Fragen: Brauchen unsere Betriebe künftig mehr oder weniger Arbeitnehmer/innen? Wie müssen wir Arbeitnehmer/innen (um)qualifizieren, um für künftige Aufgaben gerüstet zu sein? Wie bleiben wir als Standort für die zukünftigen Potenzialträger (Unternehmen und Menschen) attraktiv? Was kann die Politik tun, um einen arbeitspolitischen Rahmen für eine konstruktive Zukunftsentwicklung zu schaffen?

Digitalisierung als Chance für den Standort

Es gilt, eine optimistische Sicht als Leitbild für zukünftige Entwicklungen zu etablieren. Die Digitalisierung muss als Chance begriffen werden. Arbeitswelten und auch der arbeitspolitische Rahmen bedürfen jedoch aktiver Gestaltung, sie werden nicht von Technologie allein geschaffen. Dies bedingt einen bedürfnisorientierten Fokus auf den arbeitenden Menschen als Technologienutzer und –anwender, um sowohl produktive als auch motivierende Arbeitsumgebungen zu schaffen. Die Menschen dürfen nicht als Störfaktoren gesehen werden, sondern müssen im Zentrum unserer Bemühungen stehen. Oberösterreich muss daher für die Menschen ein attraktiver Arbeitsplatz, mit allen dazugehörigen Rahmenbedingungen bleiben.

Dazu beschäftigt sich Oberösterreich bereits jetzt in laufenden und geplanten Projekten mit den technischen Aspekten der Digitalisierung in der Logistik. ATROPINE hat die Etablierung einer Modellregion zum Physical Internet zum Ziel. Dabei sollen die Prinzipien der IT-Datenübertragung auf reale Gütertransportprozesse übertragen werden. Im FFG-Projekt DigiTrans des Automobilclusters soll im Rahmen der „Initiative Connected Mobility“ (ICM) der Aufbau und Betrieb einer Testumgebung, bestehend aus einer Forschungs-, Entwicklungs- und Evaluierungsstruktur für automatisiertes Fahren in Österreich sondiert werden.

Neben oder idealerweise in Verbindung mit diesen technologieorientierten Forschungsprojekten braucht Oberösterreich als Standort jedoch auch weiterhin eine intensive Auseinandersetzung mit Fragen zukünftiger Arbeitswelten. Das Institut für Arbeitsforschung und Arbeitspolitik wird daher auf Basis der Ergebnisse und Inhalte der Veranstaltung an gemeinsame Forschungsaktivitäten mit der TU Dortmund sowie dem Logistikum Steyr arbeiten. Ziel dieser Aktivitäten ist die Etablierung eines überregionalen Kompetenznetzwerks für Arbeitsforschung in der Logistik.

>Bilder zur Veranstaltung<

>Scribble Protokoll<

Präsentationen zu den Vorträgen

1.0 – Dr. Strugl

2.0 – Prof. Hirsch-Kreinsen

3.0 – Prof. Staberhofer/Prof. Schauer

4.0 – Kraaijenhagen

5.0 – Dr. Neubauer

6.0 – Mag.a Leodolter